Sonntagsgedanken
Kennst du den Begriff „Glücksangst“? Ich bin vor Kurzem darüber gestolpert – er beschreibt in etwa, dass man Angst bekommt, wenn es einem „zu gut“ geht. Komisch, nicht wahr? Aber tatsächlich kenne ich dieses Gefühl auch!
Es entsteht wohl dann, wenn man irgendwann „gelernt“ hat: Nach etwas Schönem kommt zwangsläufig etwas Schlechtes – deswegen bleibt das Nervensystem in Bereitschaft und schlägt Alarm, wenn es „einem zu gut geht". Man wird unruhig, bekommt Angst. Es entsteht also nicht nur Freude, sondern gleichzeitig die Befürchtung, dass es schnell wieder kippen kann. Angst hat natürlich niemand gerne, ich auch nicht - also versucht man dann, sich durch weniger Freude vor dem späteren Schmerz gewissermaßen zu schützen.
So weit, so gut - das kann ich nachvollziehen!
Nachdenklich macht mich jedoch die Tatsache, dass ich mit dieser Haltung groß geworden bin! Sprüche wie: „Freu dich bloß nicht zu früh“, „Up e jruuuß Lache kütt e jruuuß Kriesche“ (aus dem Rheinland: Nach großem Lachen kommt großes Weinen), „Vögel, die morgens zwitschern, holt mittags die Katze!“ und viele mehr, waren Bestandteil meiner Kindheit! Warum wohl?
Viele aus der Generation meiner Eltern mussten Erfahrungen mit Krieg, Verlust, Mangel, Flucht und Unsicherheit machen. Auch wenn sie als Kinder den Krieg eher am Rande erlebten, wuchsen sie vermutlich mit einer Grundhaltung auf, die signalisierte: Man weiß nie, was kommt. Übermut kann gefährlich werden, und Freude ist eher unangebracht angesichts der Umstände.
Ich überlege, welche Rolle diese Faktoren wohl bei meiner Erziehung spielten? Freude war einfach an Vorsicht gekoppelt. Man durfte zwar glücklich sein, aber man sollte sich nicht darauf verlassen, dass das Glück bleibt.
Und während ich gerade in meinem Strandkorb sitze und meinen geliebten Cappuccino trinke, fällt mir auf, dass es in der heutigen Zeit wohl etwas Ähnliches gibt! Eine andere Form der Glücksangst vielleicht?
Es ist weniger der Gedanke, dass man das Glück nicht genießen darf, sondern eher die Angst, gar nicht erst glücklich zu werden! Schließlich gibt es immer jemanden, der schöner, fitter, erfolgreicher, reicher, jünger, interessanter oder glücklicher erscheint.
Und (soziale) Medien machen daraus einen permanenten Vergleich.
Entsteht da nicht auch Glücksangst? Oder eine Glücksbremse? Nicht „Freu dich nicht zu früh, wer weiß, was dann kommt!“, sondern: „Freu dich nicht zu früh – du weißt, du könntest noch mehr haben!“
Aber muss ich die Freude von heute vorsorglich verkleinern, damit ich morgen weniger zu verlieren habe? Oder weniger glücklich sein und mich an kleinen Dingen freuen, weil ich das "große" Glück doch nie erreiche? Oder etwa das Gefühl entwickeln, nie genug zu sein, weil immer jemand weiß, wie es „besser“ geht?
Für mich gilt ab heute jedenfalls immer öfter der Satz: Gerade ist es gut, so wie es ist!
Zumindest arbeite ich daran! LG Inge

Ein kleiner Notizblock und passende Bleistifte - damit man die schönen Dinge des Lebens gleich notieren kann! Material: Buchleinen (Alexandra Renke) & Designpapier (Mia's Papierwerkstatt)!


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